Technisch wenig anspruchsvolle Kurven, gut zu fahrende Anstiege und schnelle Flachstücke. Der Kurs vom Olympiazeitfahren in London hat mich positiv überrascht. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mir die Strecke in den vergangenen Tagen in aller Ruhe und ohne Medienrummel angesehen. Im Vergleich zu meinen Nationalmannschaftskollegen hatte ich das Glück, dass mir keine Baustellenschilder den Weg versperrt haben und ich jeden Meter sehen konnte. Um den Reisestress zu minimieren, bin ich auf dem Rad von unserem Teamarzt unterwegs gewesen. Er hat eine Wohnung in London. So brauchte ich quasi nur mit Handgepäck anreisen und konnte mir den Radkoffer und die ganze Warterei sparen. Die Strecke ist nicht sehr technisch. Es geht viel geradeaus, und die Kurven sind gut zu fahren. Die wenigen Anstiege sind Wellen, von denen die schwierigste etwa 700 Meter lang und maximal etwa 5 Prozent steil ist. Nach dieser Streckenerkundung bin ich wirklich optimistisch und auch körperlich fühle ich mich sehr gut. Bis auf ein leichtes Kribbeln im Kiefer spüre ich nichts mehr. Nach dem Rennen in Frankfurt hat meine Genesung noch einmal einen richtigen Schub bekommen. Es war gut, dass ich nach dem Sturz so schnell wieder zurück aufs Rad gestiegen bin. Das hat die Heilung beschleunigt. Und für die Motivation war das nach dem Schreck auch wichtig.
Heute habe ich mich selber überrascht. Im Training hatte ich in den vergangenen Tagen zwar schon ein recht gutes Gefühl. Aber, dass es so gut geht, hätte ich nicht erwartet. Wahrscheinlich hat meine Leistung auch viel mit Motivation zu tun. Das ist mein Heimrennen und ich habe sehr viel Unterstützung vom Streckenrand erfahren. Meine Familie war da, Freunde und Fans haben mich angefeuert. Es hat einfach riesig Spaß gemacht, hier zu fahren. Ich bin überglücklich, dass ich mich vorne präsentieren konnte.
Anders als befürchtet, werde ich nicht erst in ein paar Wochen, sondern bereits am 1. Mai bei "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" ins Renngeschehen zurückkehren. In den vergangenen beiden Wochen habe ich mich ausschließlich auf den Heilungsprozess konzentriert. Von Tag zu Tag wurden die Schmerzen weniger und ich konnte sogar schon wieder die Belastungen im Training steigern.
Ich bin überwältigt von der Reaktion auf meinen Appell, nie ohne Helm zu fahren. Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass ich als Oberlehrer rüberkommen könnte. Aber scheinbar war mein Sturz nicht ganz umsonst. Und scheinbar habe ich meinen Kopf letztlich für eine gute Sache hingehalten. Vielen Dank für die Genesungswünsche.
Als ich meinen Helm bei der Polizei abholte, erschrak ich sehr. Er war blutverschmiert und an der linken Seite gebrochen. Wenn ich ihn nicht gehabt hätte, wäre etwas anderes gebrochen: Mein Schädelknochen. Ich bin mir sicher, dass mir der Helm das Leben gerettet hat. Angesichts der anderen Brüche in meinem Gesicht will ich mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich nur mit Mütze unterwegs gewesen wäre.